Ich komm' zu deinem Abendmahle
Friedrich C. Heyder, 1710

Ich komm' zu deinem Abendmahle,
Weil meine Seele hungrig ist,
Der du wohnst in dem Freudensaale
Und meiner Seele Speise bist;
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

2. Gib, daß ich würdiglich erscheine
Bei deiner Himmelstafel hier,
Daß meine Seele nur alleine
Mit ihrer Andacht sei bei dir!
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

3. Unwürdig bin ich zwar zu nennen,
Weil ich in Sünden mich verirrt;
Doch wirst du noch dein Schäflein kennen,
Du bist ja mein getreuer Hirt.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

4. Gib, daß die Sünde ich verfluche
Als meiner Seele Tod und Gift,
Daß ich mein Leben untersuche,
Daß mich nicht dein Gerichte trifft!
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

5. Dein Herz ist stets voll von Verlangen
Und brennt von sehnlicher Begier,
Die armen Sünder zu umfangen,
Drum komm' ich Sünder auch zu dir.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

6. Mühselig bin ich und beladen
Mit einer schweren Sündenlast;
Doch nimm mich Sünder an zu Gnaden
Und speise mich als deinen Gast!
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

7. Du wirst ein solches Herze beladen
Das dir zu deinen Füßen fällt,
Das da beweinet seine Sünden,
Doch sich an dein Verdienst auch hält.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

8. Ich kann dein Abendmahl wohl nennen
Nur deiner Liebe Testament;
Denn, ach, hier kann ich recht erkennen,
Wie sehr dein Herz vor Liebe brennt!
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

9. Es ist das Hauptgut aller Güter
Und unsers Glaubens Band und Grund,
Die größte Stärke der Gemüter,
Die Hoffnung und der Gnadenbund.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

10. Dies Mahl ist meiner Seele Weide,
Der Armen Schatz, der Schwachen Kraft,
Der Teufel Schreck, der Engel Freude,
Den Sterbenden ihr Lebenssaft.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

11. Der Leib, den du für mich gegeben,
Das Blut, das du vergossen hast,
Gibt meiner Seele Kraft und Leben
Und meinem Herzen Ruh' und Rast.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

12. Ich bin mit dir nun ganz vereinet,
Du lebst in mir und ich in dir,
Drum meine Seele nicht mehr weinet,
Es lacht nun lauter Lust bei ihr.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

13. Wer ist, der mich nun will verdammen?
Der mich gerecht macht, der ist hie.
Ich fürchte nicht der Hölle Flammen,
Mit Jesu ich in Himmel zieh'.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

14. Kommt gleich der Tod auf mich gedrungen,
So bin ich dennoch wohl vergnügt,
Weil der, so längst den Tod verschlungen,
Mir mitten in dem Herzen liegt.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!

15. Nun ist mein Herz ein Wohnhaus worden
Der Heiligen Dreifaltigkeit,
Nun steh' ich in der Engel Orden
Und lebe ewiglich erfreut.
Mein Jesu, laß dein Fleisch und Blut
Sein meiner Seele höchstes Gut!