Tröstet, tröstet meine Lieben
Johann Olearius, 1671

1. Tröstet, tröstet meine Lieben,
Tröstet mein Volk, spricht mein Gott;
Tröstet, die sich jetzt betrüben
über Feindes Hohn und Spott.
Weil Jerusalem wohl dran,
Redet sie gar freundlich an;
Denn ihr Leiden hat ein Ende,
Ihre Ritterschaft ich wende.

2. Ich vergeb' all ihre Sünden,
Ich tilg' ihre Missetat,
Ich will nicht mehr sehn noch finden,
Was die Straf' erwecket hat;
Sie hat ja zweifältig Leid
Schon empfangen; ihre Freud'
Soll sich täglich neu vermehren
Und ihr Leid in Freud' verkehren.

3. Eine Stimme läßt sich hören
In der Wüste weit und breit,
Alle Menschen zu bekehren:
Macht dem Herrn den Weg bereit,
Machet Gott ein' ebne Bahn;
Alle Welt soll heben an,
Alle Tale zu erhöhen,
Daß die Berge niedrig stehen.

4. Ungleich soll nun eben werden
Und, was höckricht, gleich und schlecht;
Alle Menschen hier auf Erden
Sollen leben schlecht und recht;
Denn des Herren Herrlichkeit,
Offenbar zu dieser Zeit,
Macht, dass alles Fleisch kann sehen,
Wie, was Gott spricht, muß geschehen.