Christ, unser Herr, zum Jordan kam
Martin Luther, 1541

Christ, unser Herr, zum Jordan kam
Nach seines Vaters Willen,
Von Sanct Johann's die Taufe nahm,
Sein Werk und Amt zu 'rfüllen.
Da wollt' er stiften uns ein Bad,
Zu waschen uns von Sünden,
Ersäufen auch den bittern Tod
Durch sein selbst Blut und Wunden,
Es galt ein neues Leben.

2. So hört und merket alle wohl,
Was Gott heißt selbst die Taufe,
Und was ein Christen glauben soll,
Zu meiden Ketzer Haufen:
Gott spricht und will, das Wasser sei
Doch nicht allein schlecht Wasser,
Sein heiligs Wort ist auch dabei
Mit reichem Geist ohn Massen,
Der ist allhie der Täufer.

3. Solchs hat er uns beweiset klar,
Mit Bildern und mit Worten,
Des Vaters Stimm man offenbar
Daselbst am Jordan hörte.
Er sprach: das ist mein lieber Sohn,
An dem ich hab Gefallen,
Den will ich euch befohlen han,
Daß ihr ihn höret alle
Und folget seinen Lehren.

4. Auch Gottes Sohn hie selber steht
In seiner zarten Menschheit,
Der heilig Geist hernieder fährt
In Taubenbild verkleidet;
Daß wir nicht sollen zweifeln dran,
Wenn wir getaufet werden,
All' drei Person getaufet han,
Damit bei uns auf Erden
Zu wohnen sich ergeben.

5. Sein Jünger heißt der Herre Christ:
Geht hin all Welt zu lehren,
Daß sie verlor'n in Sünden ist,
Sich soll zur Busse kehren;
Wer glaubet und sich taufen läßt,
Soll dadurch selig werden,
Ein neugeborner Mensch er heißt,
Der nicht mehr konne sterben,
Das Himmelreich soll erben.

6. Wer nicht glaubt dieser großen Gnad,
Der bleibt in seinen Sünden,
Und ist verdammt zum ewgen Tod
Tief in der Höllen Grunde,
Nichts hilst sein eigen Heiligkeit,
All sein Thun ist verloren.
Die Erbsünd machts zur Nichtigkeit,
Darin er ist geboren,
Vermag ihm selbst nichts helfen.

7. Das Aug' allein das Wasser seiht,
Wie Menschen Wasser gießen,
Der Glaub im Geist die Kraft versteht
Des Blutes Jesu Christi,
Und ist für ihm ein rothe Fluth
Von Christus Blut gefärbet,
Die allen Schaden heilen tut
Von Adam her geerbet,
Auch von uns selbst begangen.